Meine Tochter ist seid Mittwochnacht in der Psychiatrie. Freiwillig. Mein Mann hat sie dorthin gebracht. Weihnachten der Selbstmord. Jetzt konnte sie wieder nicht mit ihren Leben und Ängsten nicht umgehen.
Wie gehen Eltern damit um ? Wer kennt solche Familiengeschichten ?
Meine Sicht der Dinge wäre, wenn sie sich in eine psychiatrische Klinik "flüchtet", ihr doch eventuell den Abstand zu "gönnen" ohne das es von ihr als Desinteresse eurerseits gedeutet werden könnte.
Vielleicht wäre es ja hilfreich für dich, würdest du Kontakt mit den behandelnden Ärzten bzw. Therapeuten aufnehmen.
Ach ja, zu deiner Frage, wie Eltern damit umgehen ... sie können es einfach ignorieren und das normale Tagesgeschäft erledigen z.B. Oder sie sind mit einem mal überfürsorglich ... mögliche Reaktionen. Für den Betroffenen nicht erbaulich. Aber oft läuft es so ab.
"Jedem Suizid geht ein missglücktes oder nicht stattgehabtes Gespräch voraus. Denn, so die alte Erkenntnis: Selbstmörder ist man lange, bevor man Selbstmord begeht. Oder noch eindrücklicher: Selbstmord, das ist die Abwesenheit der anderen."
darüber kann ich eigentlich überhaupt keine Prognose stellen,weil ich euch nicht kenne und alles andere nur Projektionen wären,die sicherlich psychologisch nicht hilfreich sind.
Ich denke es aber.......es sollte die ganze Familie mit behandelt werden weil hier ihr eigentlicher Ursprung ist.
Unsere Familiengeschichte ist eine andere. Mein Sohn ist 21 und leidet seit fünf Jahren an Depressionen mit allem, was dazu gehört.
Auch er war mit 18 in der Psychiatrie, aber nicht weil er es wollte, sondern weil ich mir dort Hilfe für ihn versprach.
Für ihn war der zweimonatige Aufenthalt dort am Ende überhaupt nicht hilfreich, sondern eine der schlimmsten Erfahrungen in seinem Leben. Was er dort gesehen hat, wollen 18-Jährige im allgemeinen nicht sehen, nichts davon hören und damit nichts zu tun haben.
Er blieb dort meinetwegen. :-( Er wurde mit Verdacht auf paranoide Schizophrenie entlassen. Auch ein Irrtum, einer der sehr viel Angst bei mir verursacht und ihm zunächst verheimlicht wurde. Nach weiteren drei Monaten Tagesklinik - die er dann aber selbst positiv bewertete - stand dann eine andere, gesicherte Diagnose fest: schwere depressive Episode. Leider ist er bis heute nicht aus der Depression raus.
Um auf die Psychiatrie zurückzukommen: Für manche ist sie ein Zufluchtsort und ein Segen, für andere ein Ort des Horrors. Was glaubst du, wie es mir ging, wenn ich meinen Sohn nach einem Besuch zuhause wieder dort abgeliefert habe?! Oder wie ich mich nach meinem täglichen Besuch bei ihm fühlte?!
Zum Glück, und dafür bin ich dankbar, fühlt mein Sohn sich zuhause sehr wohl und er sagt es auch. Unser Verhältnis hat sich in den letzten drei Jahren sehr vertrauensvoll entwickelt, er ist offener geworden, verschließt sich nicht mehr, spricht auch mit mir. Er sagt, am besteh gehe es ihm zuhause.
Auch die schlimmsten und dunkelsten Zeiten, liebe Sabine, weichen irgendwann wieder einer leichteren Situation. Man kommt über die schweren Zeiten auch wieder hinweg, wenn (zeitweise) wieder die Sonne scheint. Dann, wenn es wieder ein wenig besser geht, wenn es ein wenig Hoffnung gibt, musst du Kraft tanken für das, was irgendwann wieder kommen kann. Leider gibt es diese Aufs und Abs. Man lernt, auch mit einem schweren Los zu leben.
Und abschließend: Ein kleines zierliches Mädchen trug einen noch kleineren Jungen huckepack und wurde angesprochen: "Was trägst du denn da für eine schwere Last??" Darauf antwortete das Kind mit großen Augen: "Das ist doch keine Last! Das ist mein Bruder!!!"
Würden wir nicht erst recht alles für unsere Kinder tun und ihr Schicksal mittragen???
es ist wohl eine schwere situation und als außenstehender schwer zu beurteiln, ich kann mich nur aus meiner sicht außern, bei mir war der versuch mich umzubrinngen nicht ernst sondern ein schrei nach hilfe gemeint ich hatte mich außgeschlossen gefühlt und allein. doch jede familie ist anders, achtet auf kleine signale die sie euch gibt um ihr helfen zu können es ist schwer den richtigen weg zu finden und die hilfe von außen wird ihr helfen zu erkennen was sie braucht. fragt doch mal im lauf der terapie nach familien sitzungen, meine eltern wollten das nicht, obwohl mir das sehr geholfen hätte.schaut wie es sich entwiekelt und in welchem tempo sie hilfe und zuwendung annehmen möchte. wünsche euch gedult und viel starke um eurem kind aus der kriese zu helfen.
Dann wirst du deine Tochter erst einmal lassen müssen. Ganz einfach. Sie ist autonom, auch wenn sie 1,5 auf dem Kessel hatte. Sie hat selbst entschieden, dass die Psychiatrie der beste Ort derzeit ist.
Vielleicht ändert sie ihre Ansichten noch. Wenn nicht, musst du damit umgehen und sie lassen. Es wäre fatal, sie dann zu bedrängen. Sie ist erwachsen, autonom und kann selbst entscheiden. Wenn es auch schwer und manchmal unverständlich ist.
Es ist schon einmal gut, dass sie selbständig in die Psychiatrie gegangen ist. Das zeigt mir, dass sie gar nicht sterben möchte, denn das könnte sie allein viel besser. Es geht, glaube ich, Perspektiven zu entwickeln und zu verfolgen.
Ich kenne deine Tochter und ihr Leben nicht.
Wichtig wäre, dass ihr sie als Eltern emotional unterstützt, aber immer so viel, wie sie gerade zulässt. Auch ein Zuviel ist nicht gut. Ihre Autonomie sollte sie nie verlieren, auch wenn es ihr gerade nicht so gut geht.
Dann solltet ihr sehen, ob es Ressourcen gibt, die sie derzeit nicht sieht, aber gut nutzen könnte, so dass es wieder mehr Licht im Leben gibt.
Eines kann ich sagen: ES GEHT!