Anonymer Benutzer Frage gestellt am 19.07.2023 um 10:00
Sehr geehrte Damen und Herren,
ein Familienmitglied scheint Hypochonder zu sein. Unzählige Besuche in der Notaufnahme und in unterschiedlichen Arztpraxen.
Wenn ein Schlaganfall ausgeschlossen wurde ist der Angehörige sich sicher einen Herzinfarkt zu haben. Wenn der ausgeschlossen wurde denkt der Angehörige an einen Tumor.
Sehr geehrte Frau Britta,
es tut mir leid, dass sie sich bereits von ihrem Mann verabschieden muss.
Seine Todesangst ist nachvollziehbar.
Bei meinem Angehörigen kann es sich auch um Todesangst handeln.
Nur bezieht sich diese auf alles.
Auch Erkrankungsbilder, die alle ausgeschlossen werden können.
Er ist jeden Tag bei Ärzten. Und hat er keinen Arzttermin geht er in die Notaufnahme. Fertigt man ihn dort zügig ab kümmert er sich um seine anderen Baustellen. Z.B. Ordnungsamt. Dort meldet er Falschparker, sandige Gehwegplatten, überstehendes Gezweig.
Vor kurzem hat er die Polizei angezeigt. Ein Streifenwagen stand knapp auf dem Gehweg (Einsatz). Er beobachtete, dass der Einsatz beendet war und die Polizisten nichts gleich umgeparkt haben. Er machte Fotos uns stellte Strafanzeige.
Diese Auffälligkeiten betreibt er, sobald er einen Tag und Arztkontakt hat.
Er hat keine Freunde mehr. Nachbarn meiden ihn. Und wir als Familie sind mit dem Latein am Ende.
Wir haben ihn oft besucht. Kuchen mitgebracht. Ihn zu Grillabenden, Spieleabenden und vieles mehr eingeladen.
Wir dachten er fühlt sich einsam.
Wir haben ihn abwechselnd mit in den Urlaub genommen.
Nichts hat sich geändert. Wir kennen jetzt deutschlandweit Notaufnahmen.
nun verstehe ich ihre Beweggründe, mein Verstorbener Mann hatte nach einem Herzinfarkt eine schwere Herzschwäche, es war uns natürlich klar dass seine Lebenszeit begrenzt war.
Aber er hatte sehr häufig Todesangst und verlange von uns öfter, dass wir die Rettung rufen, er wurde zwar jedes mal im Krankenhaus aufgenommen und meistens hatte er auch Wasser in der Lunge.
So pendelte er zwei Jahre lang zwischen Krankenhaus und dem Zuhause.
Eines Tages litt er wieder unter Atemnot und ich habe den Notarzt gerufen, der war leider ziemlich unhöflich und sagte: "es geht nicht, dass sie sich alle paar Wochen ins Krankenhaus einweisen lassen, sie müssen akzeptieren, dass sie sehr krank sind"!
Er wurde aber trotzdem ins Krankenhaus gebracht und er hatte wieder sehr viel Wasser in der Lunge.
Beim letzten Krankenhausaufenthalt sagte die Stationsschwester zu mir, "es geht nicht mehr so weiter, ihr Mann kann zuhause nicht mehr gepflegt werden, er kommt ins Pflegeheim".
Es hat sich erübrigt, mein Mann ist eine Woche später auf der Station verstorben (..)
Mein Mann war kein Hypochonder! Er hatte einfach nur Todesangst!
Sehr geehrte Petronilla, was Sie beschreiben empfinde ich ähnlich. Wir müssen jeden Abend damit rechnen, dass ein Anruf erfolgt und er in die Klinik gebracht werden möchte. Lehnen wir ab, macht er uns ein schlechtes Gewissen. Im Krankenhaus wird er teilweise frech. Nach einer erfolgte Untersuchung schimpft er auf dem Heimweg über die Ärzte, mangelnde Sorgfalt dieser und vieles mehr. Ganz gesund ist er nicht. Er hat Stents. Und er wurde vor geraumer Zeit an der Lunge operiert. Die Ärzte haben ihn vorher darüber aufgeklärt, dass es sein kann, dass die Lungenleistung etwas abnimmt. Das ist der Fall. Aber nicht bedrohlich oder dramatisch. Er spricht in der Öffentlichkeit allerdings über einen Ärztefehler. Zusätzlich ist er ein Dauernörgler, der ständig die Polizei oder das Ordnungsamt ruft. Wenn das erledigt ist, ruft er Familienmitglieder an, um diesen irgendwelche unhaltbaren Vorwürfe zu machen. Mal bin ich dran, mal die Schwägerin, mal die Schwiegertochter. Immer reihum. Ihn zu nehmen wie er ist wäre leichter, wenn zwischendurch Ruhe wäre. Es ist bereits jeden Tag etwas. Da es Familie ist befürworte ich keinen Kontaktabbruch. Wir finden auch keine Argumente, welche ihn überzeugen könnten. Ich würde mich sehr schlecht fühlen ihn nicht ins Krankenhaus zu fahren. Wenn ihm doch was geschehen würde, wäre ich verantwortlich, da ich nicht geholfen habe.
Ich habe da gestern einen lustigen Spruch dazu gefunden: "Das Positive am Hypochonder ist das permanente Training seiner kreativen Phantasie".
Für die Angehörigen ist das sicher nicht lustig, ein Hypochonder fordert sehr viel Zuwendung von seiner Umgebung und solange er die Zuwendung bekommt, wird sich an seinem Verhalten auch nichts ändern.
Der Bedauernswerte empfindet zwar möglicherweise sehr viel Angst bei seinen eingebildeten Leiden, die sich dann womöglich auch noch steigert aber er muss lernen, seinem Körper mehr zu vertrauen und die Selbstwahrnehmung real einzuschätzen!
Dazu wäre natürlich eine Therapie angebracht.
Vielleicht wäre es hilfreich, ihm weniger Beachtung zu schenken, dann wird er mit der Zeit lernen müssen, mit seinen Problemen selbst klar zu kommen.
Sehr schwierig!
Ablenkung durch andere Gesprächsthemen
wäre vielleicht eine Möglichkeit.
So wie es für mich klingt, sieht er wirklich nicht ein, dass er eine Therapie braucht.
So eine Person kenne ich auch im Bekanntenkreis. Mittlerweile will schon niemand mehr etwas von dieser Frau wissen. Ich selbst habe schon Angst, wenn ich auf dem Telefondisplay ihre Nummer sehe.
Ich versuche dann immer, das Gespräch auf andere Themen zu lenken.
Der Mann tut mir auch leid. Sie kocht nichts mehr, sie kauft nicht mehr ein, sie braucht für alles und jedes irgendjemanden der es macht. Der Mann geht fast jeden Tag in ein Restaurant und holt dort etwas zu essen, sogar Bratkartoffeln, oder sie kaufen von Eismann.
Inzwischen ruft sie auch nur noch ganz selten bei mir an, weil ich auf ihre Probleme nur noch kurz eingehe.
Viel Erfolg bei der Ablenkung durch andere Themen!