Gesellschaft der heutigen Zeit

Lotta66

Frage gestellt am
03.04.2023 um 22:39

Manchmal denke ich das Menschen den Umgang miteinander verlernt haben.Würde es sich ändern die Uhr der Zeit zurückzudrehen?Keine neuen Medien, kein Internet nur drei Fernsehprogramme wenn überhaupt.Würden die Menschen sich mehr auf andere Sachen besinnen und ihr gegenüber mehr wertschätzen?

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6 Antworten:

YellowAngel
Benutzerbild von YellowAngel
06.04.2023 11:48

Hier mal eine kleine Geschichte zu diesem Thema


"Das ist Jesse, er ist ein Wanderer, der in der Nähe der Brücke in meiner Gegend lebt. Er besitzt nichts außer einem Fahrrad, einem Vogel und einer Tasche mit etwa 10 Gegenständen!

Gestern, als ich mit meinem Fahrrad am Strand entlangfuhr - etwa 5 km von meinem Haus entfernt - hatte ich einen platten Reifen. Ich hatte keine andere Wahl, als umzudrehen und mein Fahrrad den langen Weg nach Hause zu schieben.

Ein paar Leute fuhren vorbei und beachteten mich nicht wirklich, und ich erwartete auch nicht, dass sie es tun würden, aber als ich anfing zu laufen, mit Kopfhörern in den Ohren, hörte ich den Obdachlosen unter der Brücke etwas zu mir sagen. Zuerst dachte ich, er würde mich um etwas bitten, also nahm ich meine Kopfhörer raus und fragte ihn, was er wollte? Dann antwortete er: "Ich will nichts, Bruder, aber ich habe einen neuen Schlauch in meiner Tasche, und du kannst ihn haben, wenn du willst!" Zuerst schockiert, sagte ich nein danke, aber er bestand darauf. Also ging ich zu seiner kleinen Freifläche, wo er seine Sachen hatte und sein Haustier-Vogel in einem kaputten Käfig saß.

Er öffnete seine leere Tasche und gab mir den Schlauch (eines der wenigen Dinge, die er hatte), half mir, den Reifen zu wechseln und pumpte ihn sogar auf! Ich fragte ihn, wie ich ihm etwas zurückgeben könnte, und er sagte zu mir: "Mach dir keine Sorgen, Bruder, darum geht es doch!"

Die Größe seiner Situation und die Tatsache, dass er sich so sehr bemüht hat, mir zu helfen, war so demütigend. Ich meine, dieser Typ war bereit, mir seine Sachen zu geben und wollte nichts im Gegenzug. Für dich und mich würde ein Fahrradschlauch wahrscheinlich nicht viel bedeuten, aber für einen Mann mit so wenig muss dieser Gegenstand einen enormen Wert haben!

Ich könnte endlos darüber sprechen, wie selbstlos dieser Typ war, mir, einem totalen Fremden, der offensichtlich in einer viel besseren Position war als er, einige seiner Besitztümer zu geben, während Menschen wie wir so egoistisch an all unserem nutzlosen Kram festhalten.

Wie dem auch sei, ich wollte nur ein Bild von Jesse mit seinen neuen Versace-Brillengläsern, neuen Sneakers, einem vollen Bauch und einem kalten Bier zeigen... Es fühlte sich gut an, etwas für den Kerl zu tun. Ich bin auch zu Woollies gegangen und habe ihm ein paar Wochen Essen und Samen für seinen Vogel besorgt lol...

Er war begeistert, hatte sogar Tränen in den Augen und konnte mir nicht genug danken, aber während ich stolz auf meine gute Tat saß und er mich lobte, fühlte ich mich plötzlich ziemlich schlecht, denn die Wahrheit ist, wenn er sich nicht bemüht hätte, mir zu helfen, hätte ich nichts für ihn getan.

Ich fahre die ganze Zeit an diesem Typen vorbei und denke nicht einmal darüber nach!

Das hat mich wirklich von meinem hohen Ross gestoßen.

Es ist leicht, diejenigen zu übersehen, die anders aussehen oder in einer schwierigen Lebenssituation sind, aber jeder hat etwas Wertvolles zu bieten. Vielleicht können wir uns alle eine Seite aus Jesses Buch abschneiden und bereit sein, anderen zu helfen, wenn wir können, unabhängig von ihren Umständen. Wir können alle einen Unterschied machen, auch wenn es nur ein kleiner Akt der Freundlichkeit ist."

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Benutzer gelöscht?

05.04.2023 17:15

Hm ... die Gesellschaft ist oberflächlicher geworden, weniger rücksichtsvoll, beeinflussbarer. Die Zeit vergeht immer und wir leben nun in dieser, die lässt sich nicht zurückdrehen, ob es uns gefällt oder nicht.
Tatsächlich glaube ich auch, dass die Reizüberflutung durch Medien und die Schnelligkeit der Verbreitung negativer Nachrichten zugenommen hat und auch, dass Medien einen zu hohen Stellenwert eingenommen haben. Jugendliche, die ständig ihr Handy checken, aber weder auf die Treppe noch auf die Ampel gucken, wenn sie sich bewegen. Für uns normale Gesten wie Grüßen, erst aus- dann einsteigen, Platz für Ältere frei machen, Respekt vor Älteren usw. ist scheinbar nicht mehr zeitgemäß. Wir haben aber nur eine andere Ellenbogengesellschaft als früher. Da wird kein neues Auto gekauft, weil der Nachbar das tut. Sondern das Handy ist Status, oder es werden Posts veröffentlicht. Auch nicht mehr Facebook, eher Instagramm und so. Da zählen Daumen und Likes. Heute kann man nur noch selten Freunde/Familie ohne Termin besuchen. Früher war das Gang und Gebe. Die Leute, die Gesellschaft, die Kinder können aber m.M.n. nichts dafür, sie unterliegen dem heutigen Gruppenzwang mit weniger Erziehung und der Reizüberflutung. Ich glaube, sie haben es schwerer. Heute ist mehr erlaubt bei weniger Konsequenzen.
Ich sehe zu, dass ich mir Rückzugsgebiete und Freiheiten schaffe bzw. sie beibehalte und mich weniger von Medien beeinflussen lasse. D.h. Natur, Garten, Waldbaden als Ausgleich wertschätze. Leider ziehe ich von Menschen mehr zurück, weil sie eben zum Teil nicht gut tun.

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Britta
Benutzerbild von Britta
05.04.2023 15:01

Ja liebe guka, so gesehen hast du schon recht. In unserer Kindheit und Jugendzeit waren wir noch unvoreingenommen, wir haben die Welt gerade erst entdeckt.
Wir haben viele Erfahrungen noch nicht gemacht, Enttäuschungen noch nicht erlebt, die Welt war für uns noch in Ordnung.
Ich denke da an meine Jugendzeit in Salzburg, für mich die schönste Stadt der Welt und ich war so stolz darauf hier leben zu dürfen
Wir waren damals eine Clique und trafen uns täglich nach der Arbeit oder Schule in einem kleinen Cafe, auf ein Getränk, mehr konnten wir uns nicht leisten und plauderten über Allerlei mehr oder weniger Unwichtiges, aber das war Glückseligkeit,
Wir genossen noch den Überschwang der Gefühle.

Inzwischen sind viele Jahre vergangen und wir wurden reifer, haben so manche Enttäuschung erlebt und unser kindliches Urvertrauen schwand immer mehr und mehr.
Man zog sich zurück und widmete sich hauptsächlich der Familie, sie wurde zu unserem Mittelpunkt.
Die Freunde von damals waren nicht mehr wichtig, wir hatten andere Sorgen und Probleme zu meistern.

Was ich vorhin sagen wollte, die Interessen ändern sich und man passt sich der Zeit an, das soll aber jetzt nicht heißen, dass wir uns komplett zurückziehen, wir pflegen weiterhin unsere Freundschaften und unsere sozialen Kontakte und vor Allem unser Verhältnis zur Familie,
weil letztendlich wenn wir alt werden, ist die Familie, das Einzige das uns noch bleibt!

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guka
Benutzerbild von guka
05.04.2023 13:50

Ich glaube Britta, so wie du es beschreibst, würde ich auch nicht die Zeit zurückdrehen wollen. Aber ich vergleiche meine Kindheit bzw. Jugend mit jetzt. Damals lebte man unbeschwert und umgeben mit Leuten und Nachbarn. Zu jedem konnte man gehen, jeder war für den anderen da. Später auch Arbeitskollegen/innen, es gab auch da immer einen Anlass, privat etwas zu unternehmen bzw. Feierlichkeiten wurden nicht ausgelassen. Heute sieht es doch ganz anders aus. Natürlich war früher nicht alles so schön, aber recht gemütlicher.
Aber man kann sowieso die Zeit nicht zurückdrehen und somit ist man eben zufrieden, wie es jetzt ist. Trotzdem ist das Miteinander untereinander anders geworden.
Ich habe mir auch viele soziale Kontakte geschaffen und bin froh, mich mit diesen austauschen zu können bzw. privat zu treffen. Lg.

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Britta
Benutzerbild von Britta
04.04.2023 17:29

Nein, ich möchte die Zeit nicht zurück drehen. Jede Zeit hat ihre Faszination, mich hat das Internet von Beginn an gefesselt und ich möchte es auch nicht mehr missen.
Angefangen hat es mit Windows 98 und ich hab mich sofort mit Begeisterung hinein gekniet.
Hab Kurse in Webdesign und Fotobearbeitung gemacht und bald schon meine eigene Homepage kreiert. Gewerblich habe ich es nie genutzt, es hat damals schon zu viele Profis auf diesem Gebiet gegeben.
Egal wie alt man ist, man soll nie aufhören zu lernen, neues Wissen kann soviel Freude bereiten und hält jung.

Ich bin jetzt wirklich sehr zufrieden, hab mein schönes Heim, habe das Glück in einer wunderschönen Gegend zu leben, habe genug zu essen und noch einige mir sehr liebe soziale Kontakte sind mir nach der Corona Spaltung geblieben.
Es wird Vieles was früher einmal war glorifiziert, aber war wirklich alles so schön?

Vielleicht erinnert ihr euch noch an die Zeit des Wirtschaftsaufschwungs, eine Zeit der Habgier, was der Nachbar hatte, musste noch größer und schöner angeschafft werden, Geld spielte keine Rolle, die Bank lieh alles was man begehrte, die Leute haben sich verschuldet und waren sie wirklich glücklich?
Ich glaube nicht!

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guka
Benutzerbild von guka
04.04.2023 13:07

Aber was soll es bringen, die Uhr zurückzustellen? Ich denke einmal auch ohne Internet und nur mit drei Fernsehprogramme verändern sich doch Menschen. Du hast recht Lotta, die Menschen haben den Umgang und das Miteinander verlernt bzw. die jüngeren unter uns, kennen so etwas nicht. Sie werden so erzogen, da die heutige Zeit eine reine Ellebogengesellschaft ist. Jeder sieht nur seins und nur ganz wenige kümmern sich um Andere. Außer solche, welche berufsbedingt kranke und ältere Menschen pflegen. Ich kenne es auch noch, wo Nachbarschaftshilfe und geselliges Beisammensein untereinander groß geschrieben wurde. Heute gibt es von diesen Menschen fast keinen mehr. Und die heutige Zeit hat es soweit gebracht, dass man vielmals die Mitbewohner oder die Nachbarn nicht mehr kennt. Es ist leider so geworden. Ich vermisse dieses frühere Leben auch. Lg. guka

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